Genesungsfördernde Organisationsentwicklung – Heilen mit Hirn

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von Dr. Peter KrummenacherGründer und Geschäftsführer von brainability 
und Balz Schnieper, Partner & Organisationsdesigner, brainability 

Genesungsfördernde Organisationsentwicklung – Heilen mit Hirn

Sprechende Medizin wirkt über die Qualität der individuellen Kommunikation zwischen Behandler und Patient. Sie ist eine der wichtigsten ärztlichen Instrumente zur Unterstützung von Genesungsprozessen und trägt massgeblich zum therapeutischen Behandlungserfolg bei. Die Rahmenbedingungen für diese Gespräche sind in Organisationen nicht immer gegeben und zum Teil wirkt sich die Art und Weise, wie Institutionen organisiert sind, sogar zusätzlich negativ auf die Genesung der Patienten aus. Genesungsfördernde Organisationsentwicklung stellt diese Fragen ins Zentrum der Veränderung.

Personenzentrierte Medizin institutionell verankern

In unseren Follow-Up Workshops zur personenzentrierten Medizin (PZM) erhalten wir immer wieder die Rückmeldung, dass die Trainings sehr nützlich sind, mit minimalem zusätzlichem Zeitaufwand den Behandlungserfolg messbar verbessern und dabei auch die Selbstwirksamkeit der Behandler erhöhen. Oft folgen auch kritische Rückmeldungen, dass diese Art der Kommunikation und Aufmerksamkeit in den Organisationen zu wenig gewürdigt und institutionell unterstützt werde. Das heisst die Organisation arbeitet in die entgegengesetzte Richtung und zusätzlich setzen Stakeholder wie Lieferanten, Krankenkassen oder die Politik Anreize, die dagegen arbeiten.
Aus den Rückmeldungen von zahlreichen Patienten, Kurteilnehmer und Klinikleiter ist daraus das Konzept der genesungsfördernden Organisation entstanden.

Was macht eine Organisation zu einer genesungsfördernden Organisation?

Die genesungsfördernde Organisation bezweckt PZM in der Organisation zu verankern und stellt dabei den Patienten ins Zentrum. Nicht nur die direkte Kommunikation zwischen Behandler und Patient unterstützt dessen Genesung, sondern auch die Organisation selbst wirkt sich darauf aus. Das heisst den Blick nicht nur auf das lernende Individuum und seine individuellen Kompetenzen zu lenken, sondern auch auf die lernende Organisation.
Bei der genesungsfördernden Organisationsentwicklung werden die Auswirkungen von Entscheidungsprozessen, Organisationsstrukturen, Personalauswahl, Kommunikationsstrukturen und Behandlungskontexten systematisch im Hinblick auf Genesung, Selbstwirksamkeit, Ressourcenaktivierung sowie nachhaltige gesundheitsfördernde Entwicklungsprozesse des Patienten geprüft. Dabei werden die Hauptnutzniesser der PZM, die potenziellen Patienten, miteinbezogen und in Co-Creation deren Perspektive, Erfahrungen und subjektives Bedeutungssystem erfasst.

Leitfragen zur Entwicklung einer genesungsfördernden Organisation

Um die geeigneten Veränderungen in den Organisationen zu identifizieren, folgen wir folgenden Leitfragen:

  • Welche strukturellen Bedingungen müssen geschaffen werden, damit die Behandler den Patienten ein optimales und passgenaues Interaktions- und Kommunikationsangebot machen können, welche die im Patienten angelegten Selbstheilungskräfte optimal zur Entfaltung bringen?
  • Welche Faktoren erleichtern bzw. hemmen die Potentialentfaltung der personenzentrierten Medizin? Wie können institutionelle Bedingungen und Kontexte für eine gelingende PZM geschaffen werden?
  • Welche organisationalen Voraussetzungen ermöglichen und erleichtern PZM auch in der Kultur zu verankern?
  • Wie müssen organisationale Prozesse gestaltet werden, um die Vorteile der personenzentrierten und personalisierten Medizin zu kombinieren?
  • Welche Anreizsysteme müssen geschaffen werden, damit das Behandlungspersonal nicht nur seine medizinischen, sondern auch kommunikativen und psychosozialen Kompetenzen optimal zum Wohle des Patienten entfalten kann und damit die Selbstwirksamkeit des Patienten und seine eigene stärkt?
  • Welche anderen Elemente des Organisationsdesigns sind darüber hinaus relevant und können unterstützend herangezogen werden?

Jede Organisation ist unterschiedlich, deshalb passen wir unser Vorgehen individuell an, um die Potenziale der Organisation zielgerichtet ans Licht zu bringen.

Erfahren Sie hier mehr zu unserem Ansatz und Angeboten oder nehmen Sie direkt mit uns Kontakt auf.

Wir kommen zu Ihnen in Ihre Institution

  • Wir begleiten sie in der Veränderung zur genesungsfördernden Organisation,
  • konzipieren gemeinsam eine geeignete Veränderungsarchitektur und
  • unterstützen sie mit massgeschneiderten Entwicklungs- und Trainingsprogrammen, Impulsreferate sowie ein- oder mehrtätige bis hin zu mehreren Modulen umfassende Workshops.

 

Vertiefende Literatur:

  • Fabrizio B. (2011): The Patient’s Brain. The neuroscience behind the doctor-patient relationship, Oxford University Press.
  • Krummenacher, P. (2018). Placeboanalgesie und Nocebohyperalgesie – Mechanismen und gesundheitsförderndes Potenzial. Schweizer Zeitschrift für Psychiatrie & Neurologie.
  • Krummenacher, P., Candia, V., Folkers, G., Schedlowski, M. & Schönbächler, G. (2010; Epub, 28.10.2009). Prefrontal cortex modulates placebo analgesia.
    Pain, 148(3): 368-374.
  • Krummenacher, P. (2010). Expectation, Belief and Framing: Neuroscientific Aspects of Belief and Judgment Systems.
  • Simon, Fritz B. (2018): Formen – Zur Kopplung von Organismus, Psyche und sozialen Systemen, Heidelberg: Carl-Auer.
 
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